Minimalismus auf dem Flomarkt

Der Trend vom Loslassen

Viele Menschen beschäftigen sich momentan mit der Idee des Minimalismus. Also damit, ihr Leben zu vereinfachen und überflüssigen Ballast abzustreifen. Nicht mehr als 100 Dinge zu besitzen ist ein Status, auf den ein frisch gebackener Minimalist stolz ist und den er sich anheftet, wie einen Orden – einen immateriellen natürlich.

Eigentlich ist dieser Trend ja reizvoll. Natürlich gibt es da den Kram und Krempel, der sich Jahr um Jahr ansammelt und vollstaubt. Damit das erst gar nicht passiert, finde ich es gut, kritisch zu hinterfragen, WAS man da kauft und wie häufig man es wohl benutzen wird, und im Zweifelsfall zu sagen: „Das leihe ich mir lieber“ oder „eigentlich brauche ich das nicht“.

Und natürlich bin ich ein großer Secondhand-Fan. Damit hat man immer einen Anlass auszumisten – einfach wegwerfen ist schließlich doof. Keine Frage. Eigentlich gehe ich bei der Idee Minimalismus mit.

Wenn da nicht die ganzen Erinnerungsstücke wären: Möbel, die mich mein Leben lang begleitet haben, Bücher aus allen Lebensaltern, Fotoalben, Urlaubserinnerungen, Zettel, Tagebücher, Fetzen von Tischdecken, Skizzen und Kritzeleien und natürlich das heilige Geschirr von Oma mit dem Rosendesign. 100 Dinge zum Benutzen und 1000, die mich an schöne, traurige, bedeutende und unbedeutende Momente, Personen oder Gefühle in meinem Leben erinnern oder eben schon so lange zu mir gehören wie meine Beine und Arme.

Die Minimalisten sagen: „Je weniger ich habe, desto glücklicher bin ich.“ Gilt das auch für Erinnerungen beziehungsweise kleine (oder große) Erinnerungshelfer? Vermutlich ja, denn ich erleide regelmäßig Qualen, wenn wieder einmal ein Teller aus Omas Geschirr nach dem Abwasch eine neue Macke hat.

Das könnte ich mir natürlich sparen, wenn ich einen weiteren Trend mitmachen und einfach jeden Gegenstand feinsäuberlich dokumentieren, digitalisieren und auf einer Festplatte abspeichern würde. Digital soll ja angeblich genauso gut sein wie in echt. Nach einer großen Verkaufs- und Spendenaktion bliebe von meiner Wohnung ungefähr übrig: ein Kühlschrank, eine Waschmaschine, eine Festplatte mit digitalen Erinnerungen, ein Computer und ein paar Anziehsachen. Puh. Klar und übersichtlich, aber keine schöne Vorstellung.

Auch wenn ich darüber nachgedacht habe, mich im Loslassen zu üben: Ich werde vermutlich auch weiterhin einen Unterschied machen zwischen den Dingen mit materiellem Wert und denen mit emotionalem. Da muss der Minimalismus-Trend erstmal ohne mich auskommen.

Oder wie seht Ihr das?

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